Die Bundesregierung rüstet nach
3. Oktober 2016
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Das steckt hinter dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz

In der Energiewende ging es in Deutschland viele Jahre vor allem um den Ausbau re­ge­nerativer Energien, wie Windkraft, Photovoltaik und Biogas, zumindest wenn man seinen Blick auf die geflossenen Fördermittel richtet. Dabei spielte die Effizienz der eingesetzten Technik zumeist keine Rolle, Hauptsache sie war CO2neutral. Dies mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, doch wenn die Energiewende bezahlbar sein und nicht weite Landstriche okkupieren soll, muss sie auch effizient sein. Dies hat die Bundesregierung jetzt erkannt und legte den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) auf. „Die sauberste und günstigste Energie ist die, die gar nicht verbraucht wird“, verkündet Bundeswirtschaftsminister Ga­br­iel bei der Vorstellung von NAPE im Parlament. Was meint er damit?

Effizienter Verbrauch

Wenn ein Heizkörper heiß ist und ein anderer nur lauwarm bleibt, ist es ein Zeichen, dass im hy­drau­lischen System ein Fehler steckt. Viel­leicht ist es eine defekte Pumpe, vielleicht Kalk. Wer seine Technik regel­mä­ßig warten lässt, erzeugt weniger CO2 für den gleichen Komfort. Auch das rich­tige Lüftungsverhalten und der Einsatz von Elektrogeräten mit hoher Effizienz­wer­tung können helfen Energie zu sparen.

Effiziente Erzeugung

Was ist für eine schnelle Umsetzung der Energiewende effizienter? Erdgas ver­bren­nen, um Strom und Wärme zu erzeugen oder dafür die Sonne nutzen? Intuitiv denkt jeder bei Solarkraft an saubere Energie, doch ist sie vergleichsweise teuer und bei den wenigen Sonnenstunden in Deutsch­land zudem ineffizient. Dr. Ulrich Fahl vom Institut für Energiewirtschaft und Ratio­nelle Energieanwendung (IER) rechnet vor, dass man mit 611 Euro, über Photovoltaik eine Tonne CO2 einzusparen kann oder aber fast 18 Tonnen CO2 durch Erdgas-Kraft-Wärme-Kopplung und verweist so auf Fehlsteuerungen in der Energiewende.

Ziel der Bundesregierung

Im Nationalen Aktionsplan Energie­effi­zienz bündelt das Bundeswirtschafts­minis­te­rium (BMWi) alle Programme, Initiativen und För­dermittel des Bundes rund um das Thema Energieeffizienz für alle Ziel­grup­pen, unabhängig ob Privatpersonen, Unter­neh­men oder öffentliche Hand. Ziel soll es sein, dem Verbraucher einen Wegweiser durch Dschun­gel an Einzelmaßnahmen und deren Anbietern durch verschiedene öff­ent­liche Anbieter, sei es die Kredit­an­stalt für Wiederaufbau (kfw), das Bundes­amt für Wirtschaft und Ausfuhr­kon­trolle (BAFA) zu bieten. Hierzu wurden diese auf der Internetplattform machts-effizient.de gesammelt und beim BMWi eine kosten­freie Effi­zienzhotline unter der Rufnummer 0800 0115000 eingerichtet. Eine Medien­kam­pagne unter dem Claim „Deutschland macht’s effizient“, soll Aufmerksamkeit für diese zentralen Anlaufplattformen liefern, um die Kampagne zum Erfolg zu führen.

Für Sie getestet

Im Test der Redaktion fiel das Angebot leider durch. Die Internetplattform ist ein schwer navigier­bares Stückwerk an wenig Sachdienlichem, vielen Worthülsen und Ver­weisen auf andere Anbieter, ohne kon­kret zu informieren, welche Fördermaß­nahme oder wer einem bei seinem Anliegen konkret weiterhelfen kann.
Auch die Hotline kann in mehreren Test­anrufen leider nicht überzeugen. Auf den ersten Blick erscheint eine kostenlose 0800er-Vorwahl serviceorientiert, jedoch ist diese, in der 94 Prozent aller Haus­halte ein Handy, aber nur 82 Prozent ein Fest­netz besitzen, nur aus dem Festnetz erreichbar in einer Zeit. Auch an der Schu­lung der Mitarbeiter mangelt es. Auf die Frage­stellung, welche Förderprogramme und Ansprechpartner bei der energetischen Sa­nierung einer Immobilie einschlägig sei­en, teilte ein Berater unter anderem mit, dass, sofern der Brennstoff im Haus nicht re­generativ sei, also Pellets, Solar, Biogas, nur Förderprogramme über die kfw in Frage kämen, jedoch keine Förderung durch das BAFA. Dies ist jedoch schlichtweg falsch, da für Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas als Effizienzmaßnahme seitens des BAFA sowohl ein Investitionszuschuss als auch ein Zuschlag für den erzeugten Strom gezahlt werden. Auch weitere Fragen an Hotline-Mitarbeiter belegten, dass der Anrufer nicht von zertifizierten Energie­beratern, sondern von Infotelefo­nisten betreut wird, die nur rudimentären Einblick in Fragestellungen der Energie­effi­zenz haben.
Zudem informiert das Programm NAPE nur über Effizienzprogramme des Bundes und hat keine Daten über Maßnahmen von Ländern und Kommunen. Als zentrale An­laufstelle für Effizienzanfragen bleibt die Plattform somit vieles schuldig.

Das Fazit

Die Förderprogramme des Bundes wer­den nicht besser oder schlechter durch NA­PE, auch der Zugang wird nicht wirklich vereinfacht, über andere Effizienzpro­gramme der öffentlichen Hand wird gar­nicht erst informiert.
Statt eine übersicht­liche und zugleich umfassende On­line­plattform zu schaffen, und eine Hotline auf der Energie­berater und nicht Laien über Effizienzthemen und -programme aller föderalen Strukturen in­formieren, wurde für viel Geld eine wei­test­gehend inhaltslose Mar­ke­ting­kam­pagne aus dem Boden gestampft.  Auch der bürokratische Aufwand beim Zugang zu und der Beantragung von Förder­pro­gram­men wurde nicht ge­senkt.
Unser Tipp: Wenn Sie sich wirklich infor­mieren wollen, beispielsweise über Ener­gieeffizienz am Bau und bei der Sanierung: Die kfw beteiligt sich, bei der Beauftragung eines kfw-gelisteten Energieberater mit der Hälfte der Kosten bis maximal 4.000 €.
Sprechen Sie mit einem Fach­mann. Ver­schwenden Sie keine Energie auf der Web­seite oder in der Hotline. Energie­effi­zienz ist das Gegenteil von Energie­ver­schwen­dung und Kostenineffizienz, wie der Wirt­schafts­minister richtig erkannt hat. Nur bei der Umsetzung der Erkenntnis hapert es offenbar noch.

Copyright Bild: BMWi, Hendrik Lietmann

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